Mein Gehirn versteht das nicht!

Huhu … ein Lebenszeichen 🙂

nachdem ich nun endlich meine berufliche Entwicklung der letzten Jahre mit einer erfolgreichen Prüfung krönen konnte, habe ich jetzt wieder ZEIT mich mit meinem Herzensthema, dem Kinderwunsch, zu beschäftigen.

Die Zwangspause hat trotzdem gut getan. Kein Forum, keine Blogs, keine Studien, keine Recherche. NICHTS. Mein Gehirn musste sich mit anderen Dingen beschäftigen. Das war auch gut so. Es gab mir das Gefühl, wieder die Herrin über meine Gedanken zu sein und nicht in irgendwelche unkontrollierbaren Gedankenwirbel hinab zu rutschen. Ein gutes Gefühl.

Warum jetzt also die Aufmerksamkeit wieder darauf richten? Weil es ein bedeutender Teil von mir ist. Ich kann ihn eine kurze Weile ignorieren und auf die Ersatzbank verdonnern, aber ich kann ihn nicht auf Dauer verstummen lassen oder zum ewigen Schweigen zwingen. Das geht nicht.

Ich habe nur noch nicht die richtige Balance gefunden. Entweder ich verbeiße mich in das Thema „wie ein Hund in einen Knochen“ oder ich lasse es ganz und suche mir einen anderen „Knochen“. Es scheint, als ob ich immer irgendeinen „Knochen“ brauche, um mich darin zu verbeißen. Irgendwie zwanghaft. Ein überwiegend gelassener Umgang fällt mir sehr schwer.

Andererseits. Ein dauerhaft gelassener Umgang ist meines Erachtens auch nicht möglich und ein viel zu hoher Anspruch. Wie soll man in der Zeit des Hoffens und Bangens nach Transfer gelassen bleiben? Wie soll man gelassen bleiben, wenn ein Schwangerschaftstest positiv wird und der Bluttest kurze Zeit später anzeigt, dass der HCG Wert für PU+17 viel, viel zu niedrig ist? Oder wenn ein teurer Selbstzahlerversuch wieder mit einem Negativ endet? Und es nur eine Frage der Zeit ist, wann man sich in den nächsten Versuch stürzt oder endlich einen Schlussstrich zieht?

Ein gelassener Umgang mit all diesen Dingen ist für mich nicht möglich (und in dieser Aufzählung gibt es leider noch viel mehr traurige(re) Beispiele). Mag sein, dass man dafür andere Phrasen findet wie „sich Zeit nehmen“, „darum trauern“, „Dinge tun, die einem gut tun“. Dies sind unbestritten wichtige Dinge, aber eben nicht dasselbe wie ein gelassener Umgang. Sie haben mit einem gelassenen Umgang aber eine Gemeinsamkeit, sie sind (zumindest für mich) alles andere als leicht umzusetzen und anzuwenden. Mir gelingt es jedenfalls nicht und in meinem Leben sind all diese Dinge eine große Baustelle oder ein großes Feld, dass noch bestellt werden muss 😉

Und so lande ich doch wieder bei der Suche nach Kanälen und Bahnen, die mir dabei helfen doch irgendwie -so gut es eben geht-, gelassener mit dieser Herausforderung Familienplanung umzugehen. Es ist nicht so, dass ich damit eine höhere Chance verbinde schwanger zu werden frei nach dem Motto „Entspann Dich und dann klappt es schon!“. Ich verbinde damit eher die Chance für MICH „etwas zu tun“, was mir den Umgang mit der Situation erleichtert. Denn so sehr ich mich auch anstrenge oder eben auch nicht, es hat leider keinen Einfluss auf den Verlauf des Ausgangs dieser KIWU-Phase. Das ist ein ganz besonderes Merkmal dieser Phase. Die Unkontrollierbarkeit. Die schicksalshafte Auslieferung. Es nicht in der Hand zu haben.

Ich für meinen Teil kann immer nur wieder erkennen, dass ich bereits mehrfach dem Schicksal ausgeliefert war. Aber auch in diesen Situationen, gab es eine Möglichkeit mit Willenskraft und Anstrengung „das Ruder herum zu reißen“ und tatsächlich „aus Steinen, die mir/uns in den Weg gelegt wurden etwas Schönes zu bauen“. Diese Erfahrung ist jetzt, im Nachhinein betrachtet wertvoll, da sie mir das Zutrauen vermittelt dass es trotzdem eine schöne Zukunft geben kann, ganz egal wie der Kinderwunschweg ausgeht. Aber da ist und bleibt eben dieser Zwiespalt, diese Ambivalenz, dass die anderen schicksalhaften Situationen zwar diesen Moment des Kontrollierbaren in sich trugen, der Kinderwunsch aber genau das momentan noch nicht für mich stabil offenbart. Es blitzt zwar auf, aber an und für sich ist dieser Wunsch die meiste Zeit ABSOLUT UNKONROLLIERBAR und mit eigener Anstrengung nicht zu erfüllen. So etwas kennt mein Gehirn nicht.

Und noch etwas versteht mein Gehirn nicht. Die Reproduktionsmedizin und andere medizinische Fachgebiete sind heutzutage in der Lage Sensationen hervorzubringen. Da bekommt eine junge Frau eine Gebärmutter transplantiert und gebärt ein Kind mit 36 Jahren. Sicherlich mit Komplikationen. Aber dem Kind geht es wohl gut. Herzlichen Glückwunsch. Ein Mann bekommt in Südafrika nach missglückter Beschneidung einen Penis transplantiert und wird mit 21/ 22 Jahren Vater eines gesunden Babys. Herzlichen Glückwunsch. Diese Fälle sind natürlich Sensationen, nicht die Norm. Und die, bei denen es nicht klappt, werden nur in einem kleinen Nebensatz erwähnt, wenn überhaupt. Aber dennoch, es kann klappen!!!!

Bei uns sind die Einschränkungen viel, viel, viel geringer und es will und will und will und will und will nicht klappen. Das ist etwas, was mein Gehirn nicht verstehen kann.

Da wird wohl noch einiges an Aufklärungsarbeit für mein Gehirn nötig sein 😉 Deshalb schreibe ich wieder. In der Hoffnung, dass es irgendwie hilft 😉

Liebe Grüße,

fraujanes

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