… und wenn sie nicht gestorben sind …

…leben sie glücklich und zufrieden … Pustekuchen. Schön wär’s! Ist aber leider nicht so. Aber der Reihe nach. Kaum zu glauben aber, dass es mal so gut wird, wie die letzten Jahre hätten wir in manchen Momenten nicht zu hoffen gewagt.

So war es 2010 einfach so klar, dass wir uns über Nachwuchs freuen würden. Einfach so. Wenn es passiert, passiert es. Wir kriegen das hin. Mit Kind. Ohne groß darüber nachzudenken oder es groß zu planen. Zu diesem Zeitpunkt war ich 29 und er 36 Jahre alt.

Als plötzlich 8 Monate ohne Anzeichen einer Schwangerschaft vergangen waren, haben wir es auf unsere WE-Beziehung geschoben, da ich beruflich pendeln musste. Erste Untersuchungen von mir beim Frauenarzt am alten Wohnort ergaben nichts. Ohne Befund. Alles Ok. Weiter üben. Als das dann auch nichts brachte und wir nun endlich umziehen konnten, ging‘s zum neuen Frauenarzt am neuen Wohnort. Temperaturkurve, Hormonstatus … ergaben alles nichts. Weiter ohne Befund. Gesund. Ab jetzt aber GVNP. Vielleicht waren ja nur die Pendelei und der stressige Umzug schuld? Also weiter üben.

Seit dem locker aufkommenden Kinderwunsch waren mittlerweile zwei Jahre vergangen. Als sich weiter nichts tat ging es in die Andrologie. Plötzlich war da ein Befund … OAT II bis III … Der Schock saß tief. Als auch die Kontrollspermiogramme keine Änderung brachten war klar, es hilft nur ICSI. Ob der Unfall und seine Folgen eine Rolle spielen, wird von den Andrologen und später auch den anderen Ärzten verneint. So lange eine EZ reift und ein Spermium da ist, besteht eine Chance auf Schwangerschaft. Der Unfall ist auch nicht Schuld am OAT. Eher die Varikozele. Aber laut Befund auch nicht so wirklich. Da die Heilung zu lange dauert und die Chancen zu ungewiss sind (da nur geringe Ausprägung), lassen wir die nicht operieren.

Nachdem wir uns vom Schock erholt hatten ging es mit der Recherchiererei los. Was ist eine ICSI? Hatte schon davon gehört … irgendwas mit Reagenzglasbefruchtung? Was kostet das? Wer bezahlt wieviel? Welche Zentren bieten die Behandlung an? Wann gibt es einen Termin? Was muss ich noch wissen? Und irgendwie hatte die Kinderwunschreise ab hier richtig Fahrt aufgenommen. Bis bald klar war, ohne Heirat keine Finanzierung. Und da unser finanzielles Polster mehr als dürftig ist stand fest, dass es nur mit Heirat finanzierbar ist.

Das war der Moment, wo wir uns eine kleine Verschnaufpause gegönnt haben. Moment mal?! Was passiert hier? Wir kennen und lieben uns seit mittlerweile 17 Jahren. Wir sind durch gute und für uns extrem schlechte Zeiten gegangen. Gibt es einen Grund, nicht zu heiraten oder warum wir bisher nicht geheiratet haben? Zugegeben. Nicht besonders romantisch. Aber ich bestehe darauf, dass die Auslöser der Heirat zwei Dinge waren 1. der Kinderwunsch und 2. die Tatsache, dass wir in unserem Leben mit allem was war, erst zu diesem Zeitpunkt emotional, körperlich und finanziell in der Lage waren unsere Hochzeit nach unseren Vorstellungen zu feiern. Die dann auch sehr romantisch war 😉 Der einzige Grund aber, und das ist mir sehr, sehr wichtig warum wir geheiratet haben war und ist … weil wir uns aus tiefstem Herzen lieben. In diesem Jahr rückte der Kinderwunsch in den Hintergrund und weil man uns eine kleine Chance auf eine natürliche Empfängnis trotz OAT eingeräumt hatte, hoffte ich ganz tief drin dass der positive Stress und die Ablenkung vielleicht ihr übriges beitragen und das kleine Wunder geschieht. Aber nix da. Rückblickend auch naiv.

Als endlich auch der Krankenkassenwechsel vollzogen war, waren wir im Jahr 2014 angelangt und wir hatten endlich alle Voruntersuchungen und Termine in der Tasche, um mit der ersten ICSI zu beginnen. Und trotz aller Recherche und Belesenheit, war ich rückblickend trotzdem auch hier total naiv. Heute würde ich einiges anders machen. Aber egal. Nicht mehr zu ändern.

  1.  ICSI startet im Sommer 2014. Ich erzähle allen davon, weil ich generell ein offener Mensch bin und davon ausgehe dass es ja „nur“ an ihm liegt und bei mir „alles“ in Ordnung ist. Optimismus pur. Läuft auch alles problemlos. Obwohl ich mir bis dato noch nie eine Spritze gesetzt habe, kriege ich es mit Hilfe von Youtube & Co alles hin, nehme pünktlichst alle Medikamente und überhaupt bin ich derart compliant wie selten zuvor in meinem Leben. Langes Protokoll. 6 EZ können entnommen werden. 2 befruchtet und transferiert nach 3 Tagen. Negativ. Ich war geschockt und fassungslos. Wie kann das sein? Bin fix und fertig. Rappel mich aber nach ein paar Tagen wieder auf. Bitte, bitte lass den nächsten Versuch klappen!!!I
  2. ICSI startet im Herbst 2014. Ich erzähle nur noch ausgewählten Freunden und Familie davon. Ist besser so, fühle ich für mich. Kurzes Protokoll. 12 EZ. Juchu! 6 befruchtet. Mhm?! 1 Morula bleibt an Tag fünf über???? Wieder nichts zum Einfrieren 😦 Der Arzt erzählt schon bei Transfer, dass die Frau in Deutschland durchschnittlich 3 Versuche braucht. Ich weiß, dass das laut IVF-Register nicht stimmt. Egal. Hab keine Lust auf Diskussion. Der Transfer ist für die Katz. Trotzdem heiße ich meinen Krümel willkommen. Vielleicht bin ich ja die eine, bei der….?????? Negativ. Blutung setzt vor BT ein.

Mir reicht‘s. Die Uniklinik, in der wir in Behandlung sind betreibt Reproduktionsmedizin im Sauseschritt. Immer volle Wartezimmer. Termine dauern nie länger als 15min. Nur gestresste Ärzte und Biologen. Null Kommunikation mit der Andrologie. Räumliche Trennung zur Reproabteilung keine 10m Luftlinie. Geistige Trennung – Welten, wenn nicht gar Universen.

Mittlerweile wird ein nicht ganz unbedeutender Anteil an Speicher meiner Festplatte von KIWU-Studien, Registern, Fakten, etc. eingenommen. Ich recherchiere, lese, sammle, dokumentiere und informiere mich….und bin doch ratlos wohin mit all meinen Gefühlen und meiner Angst. Ich greife nach neuen Strohhalmen. Einzig mein knappes Budget und mein Wissen darüber was evidenzbasierte Medizin ist und ein klein bisschen gesunder Menschenverstand, bewahren mich davor allerhand Kram auszuprobieren der es auch nicht bringt.Aber all das Lesen und Recherchieren bringt mich bzw. uns zu der Entscheidung. Wir wechseln in ein anderes Zentrum. Koste es was es wolle (und das will was heißen bei uns) 😉

3. ICSI März 2015. Ich erzähle nur 3 ganz ausgewählten Personen davon. Hab dazu gelernt 😉 Siehe da im neuen Zentrum sind es plötzlich 8 EZ. 5 befruchtet. 2 Blasto’s, von denen eine schlüpft zum Transfer. Alles verläuft positiv. Clearblue zeigt auch Schwanger an. BT fördert dann aber den niedrigen HCG-Wert zu tage. Wieder nichts. Negativ, wenn auch endlich mal mit einer Einnistung. Aber auch wieder nichts zum Einfrieren.

Und so ist der Stand. Aufhören ist noch keine Option. Aber ich schwanke hin und her. Der Glaube, dass es ausgerechnet bei uns was wird ist ziemlich niedrig. Wie viele Versuche kriegen wir noch hin, bis es vor allem mich endgültig vom Drahtseil haut? Wir wandeln auf einem Drahtseil ohne Netz und doppelten Boden. Alles oder nichts. Und was kommt nach dem Nichts? Unsere Lebenserfahrung ist, solange man atmet geht es weiter. Die Frage ist nur wie und wieviel Kraft man hat und braucht das „Wie“ zu gestalten??? Ich weiß es nicht.

Und so komme ich wieder zur traurigen Erkenntnis. Ich will das alles nicht!!! Das drückt es am besten aus. Wir wünschen uns doch nur ein Baby. Wir hoffen so sehr und nebenbei leben wir, so gut es eben geht unter diesen Umständen.

Herzliche Grüße,

fraujanes

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