Feste feiern und die Anderen

Kürzlich war eine offizielle Veranstaltung vom Betrieb … nennen wir es Fest im Sommer. „Ein Anlass“ wie mir eine Bekannte mitteilte, ehemalige Kollegin, gerade in Elternzeit, Mutter zweier Kinder 3,5 Jahre und 12 Monate, „…um mal wieder raus zu kommen“.

Sie käme ja zu gar nichts anderem mehr und würde ja um jede Abwechselung froh sein. Besagte Mom weiß! um meine Situation. Wie soll ich bitte auf so etwas gesellschaftskonform reagieren? Denkenderweise hätte ich eine Aufwachschelle verteilen können. Gesagt hab ich, „Das tut mir leid für Dich!“, mit soviel Ironie in der Stimme wie nötig. Das hat sie wohl aber nicht gehört, weil ihre Antwort war „Ich würde auch gern was essen, aber auf meiner Schulter riecht es nach Kotze“ (sie hatte das Baby vor den Bauch geschnallt). Macht das Dasein als Mutter das Hirn wirklich so breiig? Ich musste die Szenerie dringend verlassen. Durfte aber später beobachten, wie ihr ach-so-toller Ehemann sich’s gut gehen ließ während sie mit vorgeschnalltem Baby ihrem älteren Kind hinterhergejagt ist. Also während er entspannt gegessen, getrunken und sich amüsiert hat, hat sie die Kinderbetreuung übernommen. Die ganze Zeit. Also fast 4h. Das sieht wohl Zuhause nicht anders aus.Ich möchte nicht tauschen.

Von ca. 70 bis 100 Teilnehmern, waren ungefähr 30 Schwangere da. Manche schon mit Kleinkind. Vier Damen haben mir Freude strahlend erzählt, das sie gerade in der 12., 18. Woche, 5. und 6. Monat sind. Ich bin gefühlt aus Glückwünschen und strahlenden „Wir sind Schwanger-Gesichtern“ gar nicht raus gekommen.Und dieses ständige, stolze rausstrecken und streicheln des Schwangerschaftsbäuchleins. Für mich zur Zeit echt nur schwer zu ertragen. Überall nur Schwangere. Ich muss dringend an meinem Aufmerksamkeitsfokus arbeiten 😉

Es gab auch jede Menge Familien mit Kindern um die 5 bis 7 Jahre. Also das Alter, wo sie schon nicht mehr so niedlich sind und erste „Erziehungsbesonderheiten“ deutlich werden. Wenn z.B. eine höchst wichtige Person eine Rede hält und während dessen ein Kind sich laut quengelnd über die Wurst beschwert und sich weder Mutti noch Papa berufen fühlen einzugreifen.

Und was ist das eigentlich mit dieser Tragenummer. Müssen 1,10m große Kinder noch ständig wie Säuglinge umher getragen werden? Seltsames Bild. So von außen betrachtet.

Eine andere junge Mutter frage ich nach längerem Wiedersehen wie es ihr geht und sie antwortet „Ach der…“, nennen wir ihn Till, „ist gerade krank und Männe muss Überstunden machen und ist kaum da“. HALLO? Ich frage wie es DIR geht, nicht deinem Mann oder deinem Kind. Ja wahrscheinlich bin ich da gerade etwas überempfindlich. Aber ich erlebe das nicht zum ersten Mal. Schön öfter ist mir aufgefallen, dass junge Mütter nach der Frage ihres Befindens als Antwort das Befinden ihres Kindes und ihrer weiteren Familienmitglieder mitteilen, statt auf die Frage zu antworten. Würde ich nach dem Befinden ihres Kindes fragen und Mutti würde antworten „Mir geht es gut!“, wäre ich auch irgendwie irritiert.

Diese Veranstaltung war echt die volle Packung. Konfrontation ist ja gut und schön, aber das war zu viel. So weit das – den so genannten normalen Lauf des Lebens – , gelassen hinzunehmen bin ich noch nicht. Och man, ein gelungener Umgang mit einem Leben ohne Kind sieht anders aus.

Herzliche Grüße,

fraujanes

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2 Gedanken zu “Feste feiern und die Anderen

  1. „Die Anderen“!! Dazu hätte ich auch einige Geschichten auf Lager. Versuche diese jedoch im Verdrängungsmodus nicht in meinem Erinnerungsvermögen zu behalten 🙂 Verrückt, dass sich die Situationen immer wieder so ähneln. Die Frage an einen guten Freund, wie es IHM geht (nachdem das 1. Kind einige Wochen auf der Welt war) wurde beantwortet mit „wir wachsen und gedeihen“. Äh ja!!! Ich habe ihn gefragt, seit wann er denn wieder wächst – keine Antwort. Ich kann dann einfach auch nicht aus meiner Haut 😉

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    • Haha:D das ist auch gut. Das merk ich mir. Wahnsinn, dass es bei manchen frischgebackenen Eltern nicht mehr möglich ist, nur über ihre Person zu sprechen. Ich weiß, dass es auch anders geht und dass man auch als frisches Elternpaar darauf antworten kann, wie es einem selbst und wie es dem Kind geht. Ich weiß es ganz genau, es geht 😉

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