Rückzug und Alltag

Und noch eine Situation. Die letzte Woche hat mich wirklich geschafft 😉 Im Kino. Seit dem letzten negativen Versuch habe ich mich in Arbeit gestürzt und wann immer es möglich war zurückgezogen. Ich hatte einfach keine Lust auf die Welt da draußen, die sich so gnadenlos einfach weiterdreht obwohl in mir irgendetwas still steht und nicht so einfach anspringen will.

Ich lasse mich also überzeugen, doch malwieder ins Kino zu gehen. Mit einer guten Freundin. Selbst Kinderlos in Ermangelung eines geeigneten Partners. Ich verspüre sogar einwenig Lust darauf. Das freut mich über mich selbst 😉 Ein kleines, schnuckeliges Kino. Nicht diese Monsterkino’s mit versifften Sitzen. Alles gemütlich. Wir treffen früh ein, wir nehmen unsere Plätze ein, der Saal füllt sich, die Leute nehmen Platz, die Werbung beginnt, die Werbung endet, der Film geht los, die Tür geht auf und ein paar Nachzügler kommen rein. Natürlich sitzen sie genau in der Reihe vor uns. Und natürlich ist darunter eine hochschwangere Frau, die ich selbstverständlich sofort wahrnehme.

Wir waren mit die Ersten und der Kinosaal ist echt klein und ehrlich im ganzen Kino war keine erkennbar schwangere Person mit Ausnahme derjenigen die als letzte den Saal betritt und sich direkt vor mir in der Sitzreihe platziert. Im Prinzip braucht’s mich nicht interessieren und es ist auch nicht schlimm. Und theoretisch weiß man ja auch nicht, was sie alles auf sich nehmen musste um schwanger zu werden. Alles richtig. Aber ich konnte nicht gegen dieses Gefühl und diesen Gedanken ankämpfen warum ausgerechnet die einzige Schwangere im Raum so ungünstig den Saal betritt, dass ich gar nicht anders kann als sie wahrzunehmen.

Ich habe dies dann mit einem kurzen Hinweis auf die schwangere Frau gegenüber meiner Freundin mit dem Satz „Na bitte, wie soll’s auch anders sein“ kommentiert. Daraufhin wusste meine Freundin gar nicht was ich meinte. Nach kurzer Aufklärung schaute sie mich ernst an und sagte:

„Also ehrlich, wenn du damit ein Problem hast musst du zuhause bleiben!“.

Nüchtern betrachtet, muss ich ihr zustimmen. Gar nicht die schlechteste Idee. Und es hat die letzten Wochen auch gut funktioniert. Ich verspürte den Impuls, sofort den Saal zu verlassen. Dem habe ich aber zum Glück nicht nachgegeben. Und meine Freundin hat wohl auch gespürt, dass ihre Aussage für mich verletzend war. Sie hat dann noch indirekt versucht, Frieden zu stiften. Aber dann lief ja auch der Film und der war wirklich gut. Endlich Ablenkung und mal eine kurze Pause vom andauernden Kinderwunschgedankenkarussell.

Rückzug war für mich in der akuten Phase nach einem negativen Versuch, also die letzen Wochen, wirklich hilfreich. Und erst recht nach dem letzten dritten Versuch, der ursprünglich unsere Grenze war mit der KIWU-Behandlung aufzuhören. Aber das kann nicht meine Zukunft sein. Mich immer nur zurückzuziehen. Und wenn ich erste zaghafte Gehversuche in den Alltag wage, brauche ich auch ein kleinwenig Verständnis und sanfte Schupser. Die verbale Bratpfannenmethode brauche ich definitiv momentan nicht! Ich hasse mich dafür, dass ich keinen normalen Umgang mit Schwangeren und Babys haben kann. Ich finde dieses Gefühl absolut widerlich. Ich hatte früher nie ein Problem damit. Ich will auch jetzt kein Problem damit haben. Habe ich aber und ich bin mir dessen bewusst. Ich will und ich kämpfe bereits dagegen an. Aber es ist wirklich nicht leicht.

Herzliche Grüße,

Eure fraujanes

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4 Gedanken zu “Rückzug und Alltag

  1. Hallo liebe fraujanes! Wie schön deinen Blog hier zu entdecken. Irgendwie häufen sich die Geschichten,… wir Wissenschaftlerinnen, Mitte 30, ohne Kind,… ich habe dir nachfühlen können und es tut mir leid, dass das alles so verdammt schwer ist, obwohl du selbst es doch viel leichter nehmen (und ganz sicher haben!) möchtest. Sei nicht so streng mit dir und hab Geduld, irgendwann wird’s besser – und solange bist du eben emotional mit manchmal unangebrachten Gedanken! Leiste es dir einfach. ; )
    Alles Gute! Ich freu mich auf mehr Zeilen von dir. Lina

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    • Guten Morgen, liebe Lina, das hast Du sehr schön geschrieben. Danke!!! Und es stimmt. Ja! Ab und an kann man sich auch mal unangebrachte Gedanken „leisten“. So habe ich es noch gar nicht betrachtet 😉 Ich will wieder dahin, wie Du den Umgang mit den Kids der Anderen beschreibst. Das war 34 Jahre bei mir auch so ähnlich … nur momentan ist es anders geworden. Ja diese Wissenschaftlernummer 🙂 … kenne keine, die früh (nach deiner Rechnung 26+) Mama wurde, eher so 32+ und ich bin schon ein Weilchen dabei 🙂 Dein Krötenbeitrag ist übrigens phantastisch und wie ein kleines Geschenk, er kommt genau richtig. Ich sitze nämlich gerade vorm Rechner und mich schaut eine fette Kröte vom anderen Bildschirm an. Ich werd jetzt mal mit dem sezieren und sortieren anfangen und alle meine Kröten hier auf dem Schreibtisch jagen… Auf in die Krötenjagd 😀 Ich wünsch Dir einen schönen und produktiven Tag 😉 LG, fraujanes

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