Zwischen Häppchen und Familienplanung

Es gibt einfach Menschen, wirklich einigermaßen liebe Menschen, aber wenn ich mit diesen Menschen spreche werde ich sehr oft, fast immer, in ein sehr tiefes und ernstes Gespräch verwickelt. In meinem Umfeld gibt es davon so zwei, drei Personen.

Da habe ich mit Sicherheit meinen Anteil dran. Aber ehrlich, ich will es gar nicht! In diesen Situationen will ich eigentlich auf der Welle des oberflächlichen, netten Small Talks einigermaßen unbeschadet durch eine Veranstaltung kommen. Das ist es was ich will!!! Aber treffe ich auf diese Menschen, kann ich mit ziemlicher Sicherheit vorhersagen wie das Gespräch verläuft. Das einzig Gute daran ist, ich treffe sie nicht sehr häufig.

Auf einer Art Empfang zu einem neuen Projekt bin ich auf solch eine Menschin gestoßen. Bei Häppchen und Sekt begann das Gespräch erst ganz harmlos. Wie lange dauert das Projekt? Wie lange läuft dein Vertrag? usw. … Nach ca. 4min dann Aussagen darüber, dass diese projektbezogene Beschäftigung ja auch eine Sauerei wäre und an Sklavenarbeit erinnert und wie es denn danach weitergehen würde. Sie fände das ja alles sooo ungerecht. Unbestritten ist die Beschäftigungsperspektive ein heikles Thema, aber ganz so schwarz sehe ich es nicht. Und das dieses Projekt gerade erst begonnen hat und sechs Jahre läuft, eine Zeit in der viel passieren kann, wurde störrisch überhört. Auch der Versuch das Gespräch auf projektbezogene, inhaltliche Themen zu zerren ging gnadenlos schief.

UND plötzlich war sie da, eine von mir derzeit gefürchtete Variante der Kinder-/Familienfrage. Das was ich aktuell versuche zu vermeiden, weil es sich wie brennendes Öl in einer offenen Fleischwunde anfühlt.

„Ich weiß ja jetzt nicht, wie es bei euch mit der Familienplanung aussieht …???“

Erwartungsvoller Blick. Körper mir zugewendet. Sektglas leicht schräg schwenkend locker in der Hand.

Gute Antworten, sozusagen save, wären so was gewesen wie:

  • „Läuft“
  • „Ist in Arbeit“
  • „Reden wir drüber, wenn es so weit ist…“.

Etwas aggressiver wäre die Antwort „Und das bleibt auch so!“.

Aber nichts dergleichen habe ich von mir gegeben. Stattdessen hat mich mein Hirn im Stich gelassen und ich Rindvieh habe ehrlich geantwortet. „Wir sind seit mehreren Jahren dran und haben schon einige erfolglose Behandlungen hinter uns. Das ist eine ganz schöne Belastung.“ Nur das hat ausgereicht um ihren mütterlichen „Alles wird gut“-Aufmunterungs-Modus zu starten:

„Ich bin zwar Mutter von zwei Kindern, aber man kann auch sehr gut ohne Kinder glücklich werden. Glaube mir das. Also ich liebe meine Kinder sehr, aber manchmal denke ich auch dass es ohne Kinder auch gut gewesen wäre. Wir haben ein befreundetes kinderloses Ehepaar und denen geht es sehr gut. Können Wochenende immer ausschlafen, trinken Abends lecker Weinchen, gehen zu Grillfesten und machen schöne und viele Urlaube. Wenn wir in den Urlaub fahren mit Kindern und Schwiegereltern wird es immer gleich sauteurer“.

Ihr Aufmunterungsmonolog ging noch länger und dauerte bestimmt 10min. Ich hatte arg mit mir zu kämpfen, dass keine Tränen hochschießen und meine Stimme versagt. Ich wollte auf Teufel komm raus keinen Seelenstriptease in dieser Situation vor dieser Person hinlegen. Ich wusste mir nicht anders zu helfen und habe dann nachgefragt, wie sie damals nach Geburt ihres ersten Kindes die Rückkehr an den Arbeitsplatz organisiert hat. Nun konnte sie ungehindert über sich selbst philosophieren und ich war erstmal raus aus der Schusslinie gut gemeinter Ratschläge … Puhhhh … Echt anstrengend. Immerhin ist es mir gelungen nicht gegen an zu reden und z.B. darauf zu verweisen, dass ich solche Vorteile der Kinderlosigkeit durchaus zu schätzen weiß, aber liebend gern für unseren Nachwuchs, unser Baby, unser Kind sofort und mit größter Freude aus tiefstem Herzen verzichten oder etwas derber ausgedrückt drauf sch….. würde.

Ich gestehe ja meinen Mitmenschen zu, die nicht von dem Schicksal unerfüllter Kinderlosigkeit betroffen sind, dass meine ehrliche Antwort sie in einer solchen geschilderten Situation überfordert und dass es eine Menge Varianten „falscher“ Antworten gibt. Aber statt gleich mit gut gemeinten Ratschlägen los zu donnern, wäre es auch ganz angenehm wenn Mitmenschen einfach mal genauer zuhören würden und ein einfaches, respektvolles und ehrliches „Das tut mir leid für Euch!“ platzieren würden. Aber das ist wohl zu viel verlangt von diesen Mitmenschen.

Unhöflicherweise habe ich mich dann mitten in ihrem Monolog mit Verweis auf mein leeres Sektglas aus dieser Situation verabschiedet und bin gegangen.

Herzliche Grüße,

Eure fraujanes

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2 Gedanken zu “Zwischen Häppchen und Familienplanung

  1. Oh je!! Ja genau, und weil man so gut auch ohne Kinder glücklich sein kann, muss man sich das von den Menschen sagen lassen, die Kinder haben. Warum haben sie sich dann nicht für ein Leben ohne Kinder entschieden? Und woher wollen sie wissen, wie und ob man damit glücklich wird? Selbe Situation auch hier – mehrfach!! Eine Freundin, welche wirklich auch nur Trost spenden wollte, hat selbigen Satz zu mir gesagt. Ich habe ihr dann gesagt, dass es sehr nett von ihr ist, mich trösten zu wollen, aber das sie das gern sein lassen darf. Denn wenn ein Leben ohne Kinder auch glücklich macht, warum hat sie sich dann nach dem 1. Kind noch ein 2. gewünscht und auch bekommen? Darauf konnte sie dann nix mehr sagen und hat sich entschuldigt.

    LG

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    • *Seufz* Wirklich wahr. Woher wollen sie es wissen? Es ist scheinbar nicht leicht, einfach mal zuzuhören und sein Mitgefühl auszudrücken. Es müssen immer gleich Lösungen her. Das sagt mehr über den Sender aus, als über den Empfänger. Ich bin mir sicher, dass manche Menschen ihren Horizont erweitern würden, wenn sie sich mal die Zeit nehmen würden über das nachzudenken, was sie sagen. Ich bin mir aber auch sicher, dass bei manchen Menschen Hopfen und Malz verloren ist;) Schön, dass sich deine Freundin entschuldigt hat. Dann ist wenigstens Einsicht da. GLG, fraujanes

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